Unter einer Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkerkrankung. Vielleicht bemerken Sie erste Anzeichen der Gelenkdegeneration in Form von Anlaufschmerzen am frühen Morgen oder tagsüber nach längerem Sitzen. Oder Sie fühlen bei körperlicher Aktivität Belastungs- und Ermüdungsschmerzen. Bei einer fortgeschrittene Arthrose kann es zu Dauerschmerzen auch in Ruhe kommen und die Gelenkfunktion erheblich einschränkt sein.
Strukturell lässt sich die Arthrose am Abbau des Gelenkknorpels «dingfest» machen. Dies kann im Prinzip jedes Gelenk befallen, grosse Gelenke wie das Knie oder die Hüfte genauso wie Fingergelenke oder die noch feineren Facettengelenke der Wirbelsäule.
Die Arthrose ist die mit Abstand häufigste Gelenkerkrankung. Sie ist für viele Menschen ab 65 Jahren Teil eines Normalzustandes, was aber nicht bedeutet, dass man sich mit den Beschwerden einfach abzufinden hätte. Die integrative Medizin vermag einige Hebel in Bewegung zu setzen, um bei Arthrose Leid zu lindern, Ressourcen zu stärken und Entwicklung anzuregen. Sie finden in diesem Beitrag praktische Tipps zu:
Doch lassen Sie uns vorab in drei kurzen Schritten ein näheres Verständnis der Arthrose gewinnen.
Gesunder Gelenkknorpel ist steif, elastisch und dank seiner gut geschmierten, spiegelglatten Oberfläche nahezu reibungsfrei. Bei einer Arthrose hingegen wird diese Oberfläche rau und rissig und das faserige Knorpelgewebe durch mechanische Über- oder Fehlbelastung abgerieben. Am Ende ist der Knorpel ganz verschwunden und auf dem Röntgenbild kein Gelenkspalt mehr zu erkennen.
Mit Blick auf den Gelenkknorpelschwund beschreibt das klassische Narrativ die Arthrose mit Begriffen aus dem Maschinenbau: Verschleiss, Abnützung, Abrieb, Abschliff. Technisch erscheint die dünne Knorpelschicht als eine anfällige Schwachstelle des Bewegungsapparates, zudem suggeriert der Abnutzungsgedanke einen irreversiblen und irreparablen (unheilbaren) Prozess. So verbinden sich im herkömmlichen Verschleissnarrativ Technizismus und Fatalismus.
Es hat sich noch kaum herumgesprochen, dass sich die Avantgarde der Arthroseforschung schon länger vom klassischen Narrativ verabschiedet hat. Sie blickt nicht mehr durch die Brille der Verschleisstheorie, sondern versteht die Arthrose als eine degenerative Multigewebserkrankung und sieht dabei zelluläre, enzymatische und entzündliche Prozesse auf komplexe Weise zusammenwirken.
An die Stelle des linearen Abnützungsvorganges rückt ein dramatisches Szenario mit niedriggradigen Entzündungen und aktivistischen Knorpelzellen, bis die degenerativen Prozesse über die regenerativen obsiegen und den Gelenkknorpel am Ende zerstören.
Die integrative Medizin kann an die moderne Arthroseforschung anknüpfen und deren Einsichten integrieren. Auch sie betrachtet das Gelenk als ein lebendiges und komplexes Organ, und nicht als ein simples Verschleissteil. Sie schenkt denn auch allen möglichen kausalen und Begleitfaktoren Beachtung, die die Vitalität, die Integrität und die Regenerationsfähigkeit des Gelenkes beeinträchtigen:
Bei einer Arthrose ist das Wichtigste, sich kein Schonverhalten anzugewöhnen, sondern das betroffene Gelenk ebenso wie den ganzen Körper weiterhin regelmässig zu bewegen, aber dabei nicht zu strapazieren. Zu den empfohlenen moderaten Bewegungsformen zählen Gehen, Wandern, Tanzen, Velofahren und Schwimmen.
Zusätzlich kann man in der Physio- oder der Ergotherapie gezielt lernen, ein von Arthrose betroffenes Gelenk korrekt zu belasten, es beweglich zu halten und die Muskeln und die Sehnen um das Gelenk herum zu kräftigen. Ein ideales Arthrose-Training enthält Übungen, die in der Summe Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination verbessern.
Zu empfehlen sind ausserdem Bewegungsformen, die den Energiefluss fördern und die Selbstwahrnehmung kultivieren. So zeigen Studien zu Yoga, Tai-Chi, Qi-Gong und der anthroposophischen Heileurythmie, dass ganzheitliche Bewegungsübungen zu einer Schmerzreduktion und einer besseren Gelenkfunktion, Beweglichkeit und Belastbarkeit führen, mitunter auch zu einer besseren Stressbewältigung und Resilienz.
Menschen mit Arthrose sollten sich aus mehreren Gründen überwiegend pflanzlich ernähren:
Der zu empfehlende Ernährungsstil ist mediterran. Zur Gewichtung der einzelnen Lebensmittelgruppen kann man sich am offiziellen kanadischen Ernährungsleitfaden orientieren, der anhand der Teller-Methode veranschaulicht, welchen Anteil welche Lebensmittelgruppen an der täglichen Ernährung haben sollen:
Ja, es gibt bei Arthrose durchaus Alternativen zu Cortison, Diclofenac & Co. – und es lohnt sich, diese Alternativen zu nutzen. Cortison-Injektionen ins Gelenk mögen zwar schnell und lange wirken, dürfen wegen den vielen möglichen Cortison-Nebenwirkungen aber nicht zu häufig erfolgen. Cortisonfreie Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac und Ibuprofen bergen nicht unerhebliche Risiken für den Magen-Darm-Trakt und das Herz-Kreislauf-System. Und das weit verbreitete Schmerzmittel Paracetamol ist zwar nebenwirkungsarm, aber nicht harmlos; es kann bei Überdosierung innerhalb kurzer Zeit die Leber schädigen.
Die folgenden Angaben wollen nur andeuten, was für ein Potenzial natürliche Heilmittel bei Arthrose entfalten können. Sie dienen nur informativen Zwecken und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Arnika (Arnica montana)
Die leuchtend gelb blühende Arnika aus den Gebirgen Europas ist ein Allrounder nicht nur bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelkater oder Insektenstichen, sondern auch bei Gelenkschmerzen. Die äusserliche Anwendung in Form von Salbe, Gel oder Tinktur bringt die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkstoffe der Arnikablüten direkt auf die betroffene Körperstelle, statt sie im ganzen Körper zu verteilen, wie bei der Einnahme von Diclofenac oder Ibuprofen. Selbst die schulmedizinische Rheumatologie anerkennt mittlerweile den Nutzen von Arnika-Gel-Behandlungen bei Arthrose.[i]
Apfelbaum-Mistel (Viscum mali)
Die Misteltherapie ist ein fester Bestandteil der integrativen Onkologie. Weniger bekannt ist ihre Anwendung bei mittelgradigen bis schweren Arthrosen. Doch auch hier bewährt sich die herausragende Signatur der Mistel, Verhärtung und Erstarrung aufzulösen.
Mistel-Injektionen in ein von Arthrose betroffenes Gelenk entfalten eine Fülle wissenschaftlich nachgewiesener Effekte. Sie wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und immunmodulatorisch, durchwärmen das Gelenk, verbessern die Mikrozirkulation, erhöhen die Wasserbindungskapazität des Gelenkknorpels und fördern die Bildung elastischer Fasern.[ii]
Empfehlung: Viscum mali 2%, bei Hüftarthrose in Kombination mit Articulatio coxae GL D30.
Alraune (Mandragora officinarum)
Jeder Harry-Potter-Fan kennt die Alraune, deren fleischige und gabelige Wurzel eine menschenähnliche Gestalt haben kann. Extrakte aus der hochgiftigen Wurzel oder anderen Pflanzenteilen wurden historisch als Betäubungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel eingesetzt. Die moderne Schmerzbehandlung verwendet die homöopathische Arzneiform. Dabei wird sich ein anthroposophischer Arzt an der Konstitutionstherapie orientieren:
Quarkwickel
Wenn Quark auf der Haut trocknet, übt die austretende Molke einen sanft saugenden Effekt auf das Gewebe aus. Dadurch lösen sich Stauungen, werden dem Körper Stoffwechselgifte entzogen und auch Entzündungsstoffe abgeleitet, namentlich bei einer aktivierten Arthrose mit Erguss. Ausserdem wird dem Quark eine milde plastizierende Kraft zugeschrieben. Viele praktische Tipps zur Anwendung von Quarkwickeln (pur oder mit Essenzen) finden Sie im Pflege-Vademecum.[iii]
Zu den weiteren Homöopathika, die insbesondere bei einer aktivierten Arthrose, auch mit Erguss von Gelenkflüssigkeit, zur Anwendung kommen, zählen:
Stannum metallicum ist auch als Salbe verfügbar und kann im Wickel auf Gelenke einwirken.
[i] Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.: Behandlung rheumatischer Erkrankungen mit Arnika montana. Verfügbar über diesen Link: https://www.dgrh.de/lesen/empfehlungen/komplementaere-ansaetze/arnika/
[ii] Dr. med. Kurt Jürgen Zell: Mistel-Injektionen am Bewegungsapparat. Ein ganzheitliches Konzept zur Behandlung von Arthrose und degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule. Karl F. Haug Verlag in Georg Thieme Verlag 2017. PDF verfügbar über diesen Link: https://www.heliospyramis.eu/wp-content/uploads/2017/07/Hauk-PDF-Elements-Webseite.pdf
[iii] Pflege-Vademecum: Quarkwickel, auch mit Zusatz von Essenzen. Verfügbar über diesen Link: https://www.pflege-vademecum.de/quarkauflage.php?highlight_words=quarkwickel

Dieser Blogartikel entstand im Rahmen des Vortrags «Rücken, Gelenke, Schmerzen –Was hilft bei Arthrose?» des Gesundheitsforums vom 27.05.2026.
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